Das Gefühl, an einem selbstgebauten Schreibtisch zu arbeiten

Tatatataaa! Hier ist er: mein neuer Schreibtisch! Von der Idee bis zur Umsetzung hat es circa ein Jahr gedauert. Aber es hat sich gelohnt. Zugegeben, ich hatte es mir einfacher vorgestellt: Ich gehe in den Wald, schnapp mir ein paar rumliegende Baumstämme oder dicke Äste, schleif sie ab und schraub sie irgendwie an eine ausgemistete Tischplatte. Papperlapapp. Nach einer Kontaktaufnahme mit Förstern stellte sich heraus, dass rumliegende Baumstämme nicht mitgenommen werden dürfen, zumindest nicht für umme. Und das Holz im Wald eignet sich nur bedingt für Weiterverarbeitung. Doch wer über seine Ziele redet und viele Menschen daran teilhaben lässt, dem eröffnen sich viele Möglichkeiten: Mein Cousin hatte im Hof vier Stämme liegen, die zu Brennholz weiterverarbeitet werden sollten. Und ein Stamm hatte sogar eine Astgabelung, wie ich es mir gewünscht hatte. Zack!  
Für die Tischplatte hatte ich eine alte Bistro-Tür vom Sperrmüll aufgegabelt. Sie hatte sogar ein rundes Glas-Guckloch integriert. Doch nach ersten Abschleifversuchen stellten wir fest, dass das Holz nicht schön war, die Platte viel zu schwer und eigentlich auch zu schmal. Mit „wir“ meine ich übrigens meinen Vater und mich. Nach unserem letzten erfolgreichen Lampenbauprojekt war es mal wieder Zeit für ein neues Vater-Sohn-Rumgewerkel. Mein Plan war dann: abwarten. Irgendwann wird mir eine Tischplatte vor die Füße fallen. Ich hatte irgendwann keine Geduld mehr, auf das Schicksal zu warten, und auch das Reden über das Projekt fand keine neuen Zuhörer mehr. Also blieb nur noch der Baumarkt. Außerdem wollte ich so schnell wie möglich in meinem neuen Büro arbeiten. Wir ließen uns eine Platte zurechtschneiden aus Schichtholz. Ich liebe dieses Holz: wenn man es flach abschleift, entstehen wunderschöne, weiche Linienkanten.

Mein Vater erfand dann eine Spezialkonstruktion aus Holzstäben, um die Platte an den Stämmen zu befestigen. Etwas bauen erfordert immer Kreativität. Selten klappt es so, wie man es sich vorstellt. Aber am Ende des Tages fühlt man sich gut: Abschleifen, sägen, hämmern, schrauben, streichen, das alles hinterlässt körperliche Erschöpfung, die gut tut. Vor allem bei Schreibtischarbeitern, wie ich einer bin. Handwerkliche Tätigkeit kombiniert mit kreativer Improvisationsfähigkeit ist etwas Wunderbares. Am letzten Tag hatten wir dann noch eine Idee: einen Steh-Schreibtisch zu integrieren, da sich die herausschauenden Baumstämme wunderbar dafür eignen würden. Jetzt hat mein Schreibtisch dieses wunderbare Extra: eine drehbare Platte, die ich auf zwei verschieden hohe Stämme stecken kann.
Seit ein paar Tagen sitze ich jetzt schon an diesem Tisch. Und es fühlt sich richtig gut an.


Comments

  • Eve

    Superschön! Geht ihr damit jetzt in Serien-Produktion? Würde direkt auch einen nehmen!! ;)

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